Dass die Bäume langsam sind

Thailändische Miniaturen

Cover_Dass die Bäume langsam sind, wissen wir

Cover ©Studio MUELLER-DIVJAK

“We find answers to our questions, when we are calm.” (Montien Boonma)

Was sich in Dass die Bäume langsam sind, wissen wir einschreibt, sind südostasiatische Atmosphären: Beobachtungen von Mikrofauna und royalen Zeremonien, ein Arbeitstrupp, der in der Mittagshitze Pflastersteine klopft, das Bild eines Drachens am Asphalt; Betrachtungen zu Alltag, Kunst und Metaphysik. Entstanden über einen Zeitraum von sieben Jahren erzählen die lyrischen Miniaturen von Künstlern und Künstlerinnen, Mönchen, alten Menschen und jungen, vom Leben in der Stadt, auf dem Land, an Orten des Tourismus und abseits davon. Aus wechselnden Perspektiven betrachtet scheint alles mit allem verbunden, die Dinge belebt – sie blicken auf den Menschen. Der Autor ist Skribent, Dolmetscher, Sekretär im Sinne von Francis Ponge. In knappen Worten hält er fest, was er mit offenen Sinnen sieht, hört, riecht und spürt.
Die Gedichte werden von subjektiven Beobachtungssplittern umspielt und durch KI-generierte Interpretationen (chatGPT 4.0) ergänzt, die Einblick in Intention und die Bedeutung der verwendeten Sprachbilder und kulturellen Verweise zu geben versuchen. Im Text der Sprachmaschine hallen Versatzstücke gängiger Lyrik-Kritik und -Vermittlung nach, in der ästhetisch komplexe Gebilde auf lebensphilosophische Gemeinplätze heruntergebrochen werden. In der Gegenüberstellung der hochkonzentrierten Vignetten mit den Rechenleistungen künstlicher neuronaler Netzwerke lotet Divjak sinnlich-leibliche Weltwahrnehmung und Schreibpraktiken aus und stellt Bezugssysteme von Poesie heute auf den Prüfstand.

Ritter Verlag, 288 Seiten, brosch.
ISBN: 978-3-85415-680-2



In der grauen Lagune

Kompendium

Ich habe es im Leben bisher noch nicht zu einem schönen Sofa gebracht. Keine Ahnung, warum mir das jetzt einfällt. Vielleicht brauche ich in manchem länger, um einen Gedanken zu formulieren. Vielleicht brauche ich an einem Tag zwanzig Sätze. An einem anderen hundert, um mich auszudrücken. Und an wieder einem anderen tausend Sätze, um dasselbe zu beschreiben. Und es ist die Frage, ob sich bei Ihnen dabei. Ob sich bei Ihnen überhaupt irgendetwas. Bewegen muss. Im Übrigen hab ich Paranoia davor, meine Zahnpasta zu vergessen, wenn ich auf Reisen gehe.

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Unter einer leuchtend grünen Wiese

Erzählung

Unter einer leuchtend grünen Wiese verbirgt sich ein gespenstischer Frauenkopf in düsteren Farben

Bienenfeld, die Hauptfigur dieser konzentrierten Prosa, setzt sich aus Material aus verschiedenen Biographie-Fragmenten zusammen. Als Schriftsteller lebt er zurückgezogen in einem privaten Archiv; der verzweifelte Versuch seiner Dinge habhaft zu werden, sich an den Büchern, Fotos, Notizen, Kunstwerken, die ihn umgeben, „abzuarbeiten“ bestimmt seinen Alltag. Der Rückzug ins Imaginäre ist für ihn sinnstiftend, der Zwang, seine Identität und seine Wurzeln dauerhaft zu befragen, erschöpft ihn zeitlebens. Während der Archivkörper anwächst, verliert sich Bienenfeld im Material. In raschem Wechsel montiert Paul Divjak „Originalquellen“, wie etwa aus dem Journal Bienenfelds, bildhafte Assoziationsblöcke, Verweise auf literatur- und kulturhistorische Kontexte zu einer Geschichte, die, konventionelle Bildsprache vermeidend, die Dissoziation des Individuums in lapidarer Präzision registriert und die Bienenfelds Befindlichkeit zwischen Angespanntheit und Resignation als symptomatisch für den Zustand einer Generation erkennbar werden lässt.

Ritter Verlag
Hardcover, 104 Seiten
ISBN 978-3-85415-469-3


Eisenbirne

Erzählung

Eisenbirne - Paul Divjak“zeit ist auch was schönes.”, claim nivea visage

es regnet, und er steht unter druck oder was auch immer, ist aggressiv und über und über müde. ein oberflächenbrüter ohne zeitreservoir, das ist er, denkt er, ein hirnbrunzer in wort und bild, ein worthülsenspucker mit todesangst. dann schaut er auf die uhr, was den moment auch nicht verlängert …

In Paul Divjak´s Erzählung “eisenbirne” scheint der Protagonist in seinem Körper und in den Paradigmen Zeit und Raum gefangen. Gleichzeitig ist er in der dritten Person zerebral vielschichtig unterwegs. Die sprachlich verdichteten Gedankenläufe vermitteln “authentische” Fragmente (möglicher) maskuliner Realitätskonstruktion. — mehr —


Gespannte Gesichter und Die Trauer in den Fingerspitzen

Bemerkungen zu zwei Phänomenen

Divjak. Cover. Hollitzer 2020Vergänglichkeit und Tod bleiben selbst in der hochtechnologischen Aufgerüstetheit unserer Kultur das Gewaltige, das Drohende – der individuelle, bisweilen gemeinsame Feind. Den Zeichen des Alterns soll vorgebeugt werden, gegen Falten als sichtbare Spuren der Zeit angekämpft werden: Glätte gilt als attraktiv und erstrebenswert.

Mit Gespannte Gesichter erkundet Paul Divjak die Wahrnehmung des mediatisierten Gesichts nach dem schönheitschirurgischen Eingriff.
Die Trauer in den Fingerspitzen folgt den Repräsentationen des Todes und Ausdrucksformen von Trauer, Gedenken und Erinnern in der digitalisierten Gesellschaft und sorgt dabei für unerwartete Wiederbegegnungen mit längst vergessen geglaubten Kulturmustern.

Essay, Hollitzer Verlag
136 S., 11,5 x 18 cm, Hardcover

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