Das war Pop

Thomas Edlinger: Über Pop und Paul Divjak

Einleitung anlässlich der Buchpräsentation im Literaturhaus Wien, 21.3.2014

Vorgestern Abend bekam ich ein E-Mail mit einer Ankündigung einer Kunstaktion am Wiener Heldenlatz – es ging um eine temporäre Schriftinstallation – am Wiener Heldenplatz wurden im März letzten Jahres Gras-Samen mit der Aufschrift Schalom gesät, nun wird Ende März eine Ausstellung eröffnet, die das Wachstum dieser Saat auf dem Platz dokumentiert. Einer der Projektbetreiber heißt Paul Divjak – hier in seiner Funktion als bildender Künstler.

Das letzte Mal habe ich Paul nicht als Bildenden Künstler, sondern als Konzept-Popmusiker erlebt – gemeinsam mit Wolfgang Schlögl, selbst ein umtriebiger Musiker, verantwortet er als Team Tool time das Album Bee Pop – ein abwechslungsreicher Techno-Ambient Soundtrack, basierend auf den Sounds, die Bienen gerieren. Paul Divjak, man muss es so sagen, ist ein sehr neugieriger Mensch, der sich weder auf Medien noch auf Formen und auf Inhalte festlegen lässt. — mehr —


Porträt

Pressestimmen-Auswahl

[Falter]

Es geht ihm gut
Von Sebastian Fasthuber

Der Mann mit der Glatze ist für Überraschungen gut. Zum Falter-Gespräch am Nachmittag vor dem Polen-Spiel erscheint er in einem Hemd mit dem Label „Paul Divjak“ und mit einer Parfumflasche, auf der „Eau de Pologne“ steht. Es bereitet ihm sichtlich Spaß, für ein wenig Verwirrung zu sorgen und den Gesprächspartner, der ihn als Musiker, Filmemacher, Künstler und Autor erwartet hat, gleich zu Beginn aus dem Konzept zu bringen. Modemacher und Duftkreateur ist Paul Divjak also auch noch.
Das Parfum ist ihm anlässlich einer Ausstellung in Polen eingefallen. „Ich habe einfach alles reingeschmissen, was ich mit dem Land assoziiert habe: Brennnessel, Heublumen und natürlich Wodka“, schmunzelt der 37-Jährige. „Man kann es auch trinken!“ Auch das Hemd, das er vorführt, ist natürlich kein gewöhnliches, sondern wurde aus verschiedenen Stoffen zusammengenäht: „Vorne sind es italienische, hinten französische. Ich habe die in einem Laden in einer Holztruhe entdeckt und konnte sie nicht verkommen lassen.“ Wie bei so vielem, was er macht, handelt es sich um einen Grenzfall: Irgendwie ist es Kunst mit Found Objects, andererseits kann man es einfach als schickes Hemd sehen. „Ab Herbst wird es die Kollektion überall geben“, informiert der Designer auf Nachfrage. „Naja, bei H&M vielleicht nicht.“
Wer jetzt denkt, der Mann sei ein Spaßvogel, liegt ganz falsch. Divjak geht seinen Interessen jedoch mit einer Lust nach, die vielen Menschen im Kunstbetrieb fehlt oder irgendwann abhandengekommen ist.
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