Le Matin

Sound: b. fleischmann | 4 min

Le Matin (Filmstill)

Der Morgen. Im gleißend weißen Rechteck fängt er an. Durchs Weiß flackern farbige Streifen. Quer durchs Bild gezogen, wandern die Linien vertikal auf und ab. Mal schneller, mal langsam. Zucken und hüpfen. Brodeln am Horizont. Prallen aufeinander und voneinander weg. Das Flackern generiert Nachbilder, Fata Morganen – sind das zwei, drei oder doch nur eine Horizontale, die sich da bewegen. Oder vibriert längst das Auge, hat zu lange ins Licht geschaut?
Le matin, das Video von Paul Divjak zu Bernhard Fleischmanns gleichnamigem Track, ist ein Spiel mit der Wahrnehmung und ein Lichtspiel. Warmes Licht. Gelb- und Orangetöne glosen wie Feuerlinien, lösen sich in fette Punkte auf. Rinnen ins Schwarz. Wie die Musik (die die Bilder dynamisiert – ohne Ton wirken sie ruhiger und weicher) vermitteln sie vor allem eine Stimmung, der der Titel einen (möglichen) Namen gibt: Der Morgen. Die Musik drängt vorwärts, während das Bild verrutscht und verwackelt. Noch nicht ganz da und schon wieder weiter. Eigentlich ist le matin von Hand gemacht. Ein manueller Bildsuchlauf durch die TV-Kanäle, die Musik im Ohr. Mit einer Videokamera aufgezeichnet, digital montiert und leicht nachbearbeitet. Manchmal formieren sich solcher Art kurz zarte Schemen: ein Gesicht, ein Fenster, jemand, der aus einem Zimmer geht. Aber sie verfestigen sich nicht, kommen nicht zu sich, sind trotzdem präsent. Wie Traumbilder, denen man nachhaengt, wenn man aufwacht am Morgen.
[Isabella Reicher]

Morning. He begins in the glaring white square. Colored lines flicker across the white field. As they cross the picture, these lines shift in a vertical direction, sometimes quickly and sometimes rather slowly. Jerks and convulsions. Seething on the horizon. They collide and skitter apart. The flickering leaves after-images, mirages-are there two or three horizontal lines, or only one? Or have the eyes begun jiggling from staring at the light? le matin, Paul Divjak’s video to the song of the same name by Bernhard Fleischmann, plays with perception and light. Warm light. Shades of yellow and orange glow like strips of fire, and then break up into fat points. Fade into black. Similarly to the music (which is dynamized by the images; without the soundtrack, they seem softer and more peaceful), they produce an atmosphere which suggests a (possible) name for the song, that of morning. The music pushes onward while the picture slips and wobbles. Carrying on before it even arrives. In fact, le matin is hand-made. A manual search through the TV channels to the music. Filmed with a video camera, digitally edited and then slightly altered altered. At times, fragile and short-lived patterns can form in this way: a face, a window, a figure leaving a room. But though they never coalesce, never develop a final form, they have a presence. Like images from a dream one cannot forget after waking up the next morning. [Isabella Reicher]



Sonnenland

16mm | 16 min

Sonnenland (Filmstill)

Sommer auf dem Schafberg. Sonnenlicht und Kinder im Freien. Behinderte Kinder. Sonnenland, entstanden im Sommer 1998 während meines Zivildienstes bei den Kinderfreunden, ist mehr ein Film mit ihnen als ein Film über sie. Was im Rahmen der Interaktion zwischen Filmemacher (Kamera) und den Kindern spürbar wird, ist Befremden und Vertrautheit, Mißtrauen, ebenso wie Neugierde und Freude. Jenseits gewohnter Mitleidseffekte wird das Themenfeld ‘Behinderung’ und die Frage nach ihrer – gesellschaftlich instrumentalisierten – Abbildung etabliert. Was Sonnenland zeigt, sind keine geschönten Bilder, sondern ungewohnte. Bilder, die Momente eines Sommers, Augenblicke im Leben von Kindern verhandeln. — mehr —


breakfast at rhiz

Sound: b. fleischmann | 6 min

breakfast at rhiz - film-still

Zwei Einstellungen: Die erste zeigt, indem sie ruckartig aufzoomt, ein sprechendes, handelndes, blickendes Subjekt, das den technologischen Apparat medizinischer Forschung auf ein kleines Stueck Fleisch richtet. Die zweite zeigt in einem fuenf Minuten langen, kaum merklichen, mitunter auch ruckartigen Zoom etwas Rotes, von dem man annehmen kann, dass es dieses Stueck Fleisch ist. Schon der streng frisierte Chirurg, der in eine Gegensprechanlage und dann mit sich selbst Schwedisch redet, bevor er das Fleisch seziert, mutet merkwuerdig an (zumal in der Gestauchtheit des “gefaelschten” Widescreen-Bildes). Das Fremde allerdings, an dem er – Mad Scientist nach Art von alten B-Filmen, von Cronenberg oder der Kopenhagener “Kingdom”-Klinik – hantiert (oder auch nicht), ist erst recht raetselhaft.
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it’s all so

Sound: b. fleischmann | 7:14 min

Divjak’s Video it’s all so zum gleichnamigen Track von Bernhard Fleischmann fängt mit einer Einstellung wenige Minuten eines Schlafenden ein. Fast bewegungslos verändert sich die rauhe Bildoberfläche durch minimale richtungslosen Pixelwanderungen. Ohne Environment auskommend und abgekehrt von allem was Alltag bedeutet, scheint das Bild des Schlafenden zu deuten, seinen Platz einzunehmen und mit geschlossenen Augen eigene Bilder zu simulieren. [Vera Tollmann] — mehr —


as if

Sound: Paul Divjak | 4 min

Film-still from as ifEin Stück gemeinsamer Geschichte, aus der Zeit gefallen. Die letzten Momente einer Liebe, womöglich. Die Melodie begleitet das Bild eines Paares, rauh, von Unschaerfe bestimmt und Dropouts durchsetzt. Ein Abschied, verlangsamt, verfangen in einer endlosen, rekursiven Schleife, so scheint es.

Und während die Blätter fallen, tun sie noch einmal so als ob, und spielen Leben.

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