I feel distortion

Sound: Manfred Karrer | 7 min

Das Video beginnt im Schwarz und endet im Weiß. An diesen Stellen gibt es was zu lesen: den Titel bzw. die Credits. Was es dazwischen zu sehen gibt, befindet sich im beständigen Übergang zwischen Schwarz und Weiß. “Lesen ist nicht sehen”, könnte man dazu – Maurice Blanchot paraphrasierend – anmerken, womit weniger auf einen einfachen Gegensatz hingewiesen, sondern eher die vom Akt des Lesens erzwungene Auslöschung des Sehens angesprochen wäre.Was weiterhin implizierte, daß es schließlich vom Wie des Ausdrucks abhinge, ob nicht die Lektüre ein anderes Sehen hervorzubringen vermöge. 
Die Verzerrung fühlen: Programmatisch wendet sich Divjaks Titel gegen die Zumutung, daß es in Videos immer und zuerst einmal etwas zu sehen gäbe. Man sieht zwar was, bloß ist das zu Sehende ein schon Gesehenes: die Kratzspuren, die Staubpartikel weisen darauf ebenso hin wie die Verlangsamung der Bewegungen und das Fragmentierende der Kadrierungen. Was immer da einmal in voller Klarheit zu sehen gewesen sein mag – Koerper, die sich beruehren, sich im Raum bewegen – findet sich transformiert in das Material einer Lektüre, die am Zweidimensionalen des schon Gesehenen festhält. An der Auflösung dieses durch Lektüre Offenkundigen wird “I Feel Distortion” arbeiten, um jenes andere Sehen hervorzubringen, das auch Fühlen heißen könnte, und jedenfalls die Form einer plötzlich erschütterten Wahrnehmung annimmt, die vermeint, “die Zwischenräume zwischen den Dingen als Dinge” (Merleau-Ponty) gesehen zu haben. [Vraeaeth Oehner]

The beginning of this video is black and its end is white. Both offer something to read, first the title, and then the credits. What can be seen between the two is in a constant transition between black and white. “Reading is not seeing” one could say in a paraphrase of Maurice Blanchot. Rather than a reference to a simple antithesis, this statement addresses the obliteration of seeing which is compelled by the act of reading. The implication is that it depends of the mode of expression whether the act of reading is able to produce a different kind of seeing.
Feeling distortion: In a programmatic sense, Divjak’s title is a retort to the unreasonable expectation in which videos always offer something to see first. Although something is there to see, it is always something already
seen: The scratches, the dust particles indicate this fact in the same way as the deceleration of movement and the fragmentation of the frames. Whatever was visible in total clarity-bodies touching and moving through space-is transformed into reading material which clings to the two-dimensional nature of what has already been seen. i feel distortion will work on the disintegration of what has been made obvious through reading to produce the other kind of seeing, which could also be termed feeling. In any case, it takes on the form of a perception which has suddenly been overcome, giving the viewer the sense of having seen “the spaces between the things as things” (Merleau-Ponty). [Vraeaeth Oehner]



I remember 1 & 2

Sound: Werner Möbius | 2 x 3:55 min

Mit Erinnerung zwischen Diffusion und Signifikanz spielen Divjaks Clips versiert: Der erste zeigt eine verwischte Drehbewegung zu Werner Möbius moduliertem Loop von Klavier-Intro und Eröffnungszeile von Barry Manilows “Mandy”: “I remember all my life”. Der zweite montiert zur selben Musik unscharfe Zeitlupenbilder von Menschen, an die sich offenbar Divjak erinnert. Der Home-Movie-Aspekt, sentimentale Revue von Alltagsmienen und -gesten, junge Menschen beiderlei Geschlechts, verbindet sich innig mit der Melancholie und dem intensiven Präsent-Werden, die einem alten Lied, noch dazu “Mandy”, noch dazu als gelooptem Sample (Sampling ist taktische Objektivierung von Gedächtnisleistungen!) anhaften (…). [Drehli Robnik/SKUG] — mehr —


it’s all so

Sound: b. fleischmann | 7:14 min

Divjak’s Video it’s all so zum gleichnamigen Track von Bernhard Fleischmann fängt mit einer Einstellung wenige Minuten eines Schlafenden ein. Fast bewegungslos verändert sich die rauhe Bildoberfläche durch minimale richtungslosen Pixelwanderungen. Ohne Environment auskommend und abgekehrt von allem was Alltag bedeutet, scheint das Bild des Schlafenden zu deuten, seinen Platz einzunehmen und mit geschlossenen Augen eigene Bilder zu simulieren. [Vera Tollmann] — mehr —


Die letzten Bilder der Nacht

16mm | 4 min

Die letzten Bilder (und Töne) der Nacht waren im Fernsehprogramm des staatlichen österreichischen Rundfunks bis zur Einführung des 24-stündigen Sendebetriebs 1994 zwei ineinander überblendete Aufnahmen der zu den Klängen der Bundeshymne im Wind flatternden Landesflagge (samt Bundesadler). Diesen allnächtlich wiederholten “Clip” zeigt der Film von Paul Divjak, wiederholt ihn als etwas anderes.

— mehr —


So Fine

Sound: Paul Divjak | 3 min

So Fine (Filmstill)

So fein, so zerbrechlich sind die Bilder von Paul Divjaks Video, dass sie einem auf der Netzhaut zerrinnen. Neben leisen Andeutungen durchziehen nur lose pulsierende Linien den sachte wabernden Farbfluss – während auf der Tonspur ein sphärisch auf- und absteigender Klang um einen herzrhythmischen Takt gelegt ist. Gerade beginnt man, langsam mitzutreiben, da ist man auch schon unvermittelt in die Welt gestürzt: Der Ton bricht ab, die Farben verebben ins Weiß und aus den informellen Linien werden Worte. [Nina Jaenisch]
— mehr —