Die letzten Bilder der Nacht

16mm | 4 min

Die letzten Bilder (und Töne) der Nacht waren im Fernsehprogramm des staatlichen österreichischen Rundfunks bis zur Einführung des 24-stündigen Sendebetriebs 1994 zwei ineinander überblendete Aufnahmen der zu den Klängen der Bundeshymne im Wind flatternden Landesflagge (samt Bundesadler). Diesen allnächtlich wiederholten “Clip” zeigt der Film von Paul Divjak, wiederholt ihn als etwas anderes.

Die Fahne stand für einen von den medienhistorischen Veränderungen zum Scheitern verurteilten Versuch, Grenzen zu markieren: die Grenze eines nationalen Territoriums (in diesem Fall: Österreichs), das die weltweiten Satelliten- und Kabel-TV-Kanaele schon längst durchqueren, auflösen, zerschneiden; die Grenze zwischen Tag und Nacht, an der die Republik ihren Bürgern gesunden Schlaf verordnet; und die Grenze zwischen dem finstersten Mittelalter der Fernsehgeschichte – der Epoche der staatlichen Monopolsender bzw. öffentlichen Rechtsgewalt über Information und Unterhaltung – und der angebrochenen Ära permanenter Überbelichtung des Lebens durch private Fernsehangebotsvielfalt, in der neue Macht-, Kontroll- und Verblödungseffekte ins Spiel kommen. Die ersten Bilder des endlos verlängerten Tages brauchen keine Fahnen (und Testbilder) mehr, und es bläst ein rauherer Wind. [Drehli Robnik]

Before the introduction of 24-hour programming on Austrian state television in 1994, the last pictures (and sounds) of the night were two shots of the austrian flag (including the federal eagle) with a dissolve, waving in the wind. The sound track was the national anthem. This nightly “clip”, which is Paul Divjaks film, is repeated as something else.
The flag stood for something that was destinated to fail because of historical changes in the media. It stood for the demarcation of borders. The borders of a national territory (in this case Austria), which have been crossed, dissolved and carved up by sattelite and cable TV channels. It stood for the border between night and day, where the republic prescribed healthful sleep for its citizens. It stood for the border between Dark Ages of television history, the era of a state monopolized television (information and entertainment controlled by public law) and the dawning age of permanent over-exposure due to multiple private TV channels which brought new effects of power, control and zombi-fication into play. The first pictures of the endlessly expanded day no longer need a flag (or a test picture). And a rawer wind has begun to blow. [Drehli Robnik]



I feel distortion

Sound: Manfred Karrer | 7 min

Das Video beginnt im Schwarz und endet im Weiß. An diesen Stellen gibt es was zu lesen: den Titel bzw. die Credits. Was es dazwischen zu sehen gibt, befindet sich im beständigen Übergang zwischen Schwarz und Weiß. “Lesen ist nicht sehen”, könnte man dazu – Maurice Blanchot paraphrasierend – anmerken, womit weniger auf einen einfachen Gegensatz hingewiesen, sondern eher die vom Akt des Lesens erzwungene Auslöschung des Sehens angesprochen wäre. — mehr —


So Fine

Sound: Paul Divjak | 3 min

So Fine (Filmstill)

So fein, so zerbrechlich sind die Bilder von Paul Divjaks Video, dass sie einem auf der Netzhaut zerrinnen. Neben leisen Andeutungen durchziehen nur lose pulsierende Linien den sachte wabernden Farbfluss – während auf der Tonspur ein sphärisch auf- und absteigender Klang um einen herzrhythmischen Takt gelegt ist. Gerade beginnt man, langsam mitzutreiben, da ist man auch schon unvermittelt in die Welt gestürzt: Der Ton bricht ab, die Farben verebben ins Weiß und aus den informellen Linien werden Worte. [Nina Jaenisch]
— mehr —


Journey

Sound: Hans Platzgumer | 5:30 min

Journey (Singleframe)Wie auch in anderen Video-Arbeiten von Paul Divjak [i remember: turntable mix etwa oder le matin] überwindet in journey das Visuelle im Zusammenspiel mit dem Akustischen den Gegensatz zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren [...] [Vraeaeth Oehner] — mehr —


breakfast at rhiz

Sound: b. fleischmann | 6 min

breakfast at rhiz - film-still

Zwei Einstellungen: Die erste zeigt, indem sie ruckartig aufzoomt, ein sprechendes, handelndes, blickendes Subjekt, das den technologischen Apparat medizinischer Forschung auf ein kleines Stueck Fleisch richtet. Die zweite zeigt in einem fuenf Minuten langen, kaum merklichen, mitunter auch ruckartigen Zoom etwas Rotes, von dem man annehmen kann, dass es dieses Stueck Fleisch ist. Schon der streng frisierte Chirurg, der in eine Gegensprechanlage und dann mit sich selbst Schwedisch redet, bevor er das Fleisch seziert, mutet merkwuerdig an (zumal in der Gestauchtheit des “gefaelschten” Widescreen-Bildes). Das Fremde allerdings, an dem er – Mad Scientist nach Art von alten B-Filmen, von Cronenberg oder der Kopenhagener “Kingdom”-Klinik – hantiert (oder auch nicht), ist erst recht raetselhaft.
— mehr —