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Paul Divjak
schattenfuge

Erzählung
Zum Buch
"...unspektakulär ist, was uns interessiert, kleine geschichten
ohne wirklichen anfang und ohne ende. was uns fasziniert, ist das dazwischen,
sind fragmente des alltags, perforiert."
Gleich dem Blick durch ein Kaleidoskop fügen sich in Paul Divjaks
Erzählung "schattenfuge" diese Alltagsfragmente zu einem
schillernden, fragilen Mosaik. Schnelle, filmische Sequenzen, verspielt
Blumfeld-artige Sprachpoetik, kurze Regieanweisungen: gekonnt kombiniert
und variiert. In hart geschnittenen Szenen wird rekapituliert: das Leben,
die Liebe, die Umstände. - Systemcrash und Escape: "life is
a picnic - vielleicht, manchmal."
"schattenfuge" erzählt vom Leben und Lieben in einer Kontrollgesellschaft.
In einem System, einem Staat, der zusehends zerfällt, tauchen die
Protagonisten nur mehr im Plural auf. Was sie zusammenhält in dem
Kriegsgebiet - ist es ein territoriales oder doch mehr ein innerpsychisches?
-, im Schatten des Privaten und des Politischen, ist das mögliche
Glück in der Zukunft: ein Leben in NYC, davon träumen sie
Leseprobe
wir weinen nicht. wir fühlen nichts.
es ist kalt. frühlingsregen, das fenster wird geschlossen. wir leben
dahin, von tag zu tag, fassen pläne oder nicht. und dann kommt es
anders, öfter als gedacht. wir sind glücklich. mal mehr, mal
weniger. und im denken an das was job genannt wird und beruf sein soll,
landen wir immer wieder bei dem, was in kürze alltag gewesen sein
wird und so klingt als ob. jetzt schnarcht der körper neben uns ins
bett, massiv. es ist eng. eng ist es. rundum und ausweglos. schon schlafen
teile unseres selbst von ganz alleine ein. täglich aufs neue von
vorne beginnen. ausholen und einstecken, was geht. zurücklegen, mehr
noch als gedacht - so viel steht fest. was sich im kreis dreht und nach
auflösung verlangt, ist verstärkerhypothese und bleibt theorie,
wie gehabt. (...)
(...) der morgen danach. wir nehmen einen schluck kaffee während
das wasser in den rohren wieder rauscht. es wird warm im zimmer. auf den
dächern gegenüber liegt schnee, zentimeterdick. öffnen
wir den kommunikationsraum, reden wir über inhalte, die es nicht
gibt, in einer sprache, die wir nicht verstehen. unsere verbindung war
nie mehr als ein erwärmen fernmündlich, für einander. einmal,
zweimal dann eine rasche nummer mit weicher haut - mehr nicht. das führt
nirgendwo hin, denken wir und fragen uns, was danach kommen soll. vielleicht
musiker mit cowboyhüten vor rotblauen lichterketten. der sound trägt
dann, was er verspricht. elektroakustische schwingungen. popmusik, aktuell.
wir tanzen durch und durch. - das also ist heiligabend!
Pressestimmen
"Schattenfuge"
ist eine wunderschöne, ehrliche Erzählung über den menschlichen
Alltag mit all seinen Unsicherheiten, Ängsten und dem Hin- und Herdriften
zwischen den Parallelwelten..." [FM 4]
"Paul Divjak
zieht in "Schattenfuge" seinen Stoff ins Surreale, zwingt dem
Leser ein Rätselspiel auf, ähnlich denen, die die meisten Filme
David Lynchs dominieren." [literaturhaus.at]
"`und die
bildung des heterosexuellen paares ist und bleibt hauptmotiv in eurem
amateurfilm, unter welchen umständen auch immer.´Schön
gesagt ist das in Paul Divjaks drittem Buch bei Edition Selene. Und doch
wird es ihm nicht gerecht. Da weist zuviel über eben jene Pärchenbildung
hinaus, da ist zuviel versteckt in den Fugen und Ritzen. Im Dazwischen.
Zwischen den Menschen und zwischen den Systemen. (...) Schattenfuge liest
sich als zerfetztes Prosastück, das in all seiner Lückenhaftigkeit
wirklich dem Anspruch gerecht wird, ein wenig wie Erinnern zu funktionieren.
Was im Kopf bleibt sind Zusammenhänge und Konstellationen, ein Gefühl
für etwas. Und aus dem wogenden Meer des Unkonkreten ragen einzelne
starke Bilder. (...) Lange gab es kein so schönes Leiden mehr zu
lesen. In diesem Zusammenhang von Pop zu sprechen, wäre eine Beleidigung."
[Spex]
"Paul Divjak
ist Jahrgang 1970 und seine beeindruckend dichte, verdichtende, anrührende
und den Leser (zunächst) nicht einweihende Erzählung scheißt
auf die Hookline. Eine Liebesgeschichte, ein Job, eine Beschäftigung
in einem Container, Krieg oder Aufruhr mit Ordungskräften und Polizeipräsenz,
persönliche Flucht in den Alltag und schließlich der "Ausweg":
Die große Stadt NYC: Hochleistungsfunsport. Bevor man sich versieht
hat man "Schattenfuge" verschlungen." [Style]
"Die Geschichte
einer erkaltenden Liebe in politisch unsicheren Zeiten, assoziative mit
dem Krieg auf dem Balkan verbunden, bahnt sich ihre Wege durch ein Geflecht
zart aquarellierter Alltagslebenskrisenbilder und (sprach-)philosophischer
Seitenlinien. Der Blick auf den Lauf der Dinge ist radikal subjektiv,
die Rhythmik der Erzählung präzise gebaut: Divjak ist ein Erotiker
der Sprache." [Profil]
"schattenfuge,
das dritte Buch des österreichischen Autors und Künstlers Paul
Divjak, dringt in knappen, fragmentarischen, sehr rhythmisch komponierten
Absätzen in eine Art Reflexionsraum ein. Realitätspartikel,
im Sinne von (Wahrnehmungs-)bildern einer äußeren Umgebung,
kreisen darin. (...) [Der Standard]
"Schwenk für Schwenk. Mit der
Kamera. Mit den Sätzen. Harte Schnitte. Dragica taucht auf und weg,
real und imaginiert, - Militärfahrzeuge -, und durchgehend jenes
plurale Ich, ein Wir, ein Ihr. Das Kollektiv trägt mit. Es ist auch
Mittel zur Distanzierung. Dennoch darf es kein Verweilen geben. Nicht
in diesen Ereignisräumen. `...and one day you´ll know where
you are.´- Aber vielleicht ist dies gar nicht intendiert. Vielleicht
ist dies alles nur im steten Wechsel der Bilder, der Einstellungen zu
ertragen, - auf der Flucht." [gangway: reviews]
www.literaturhaus.at
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