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es war eine single von o.m.d, dem orchester, das im dunklen manövrierte, damals, anfang der achtziger jahre. talking loud and clear hiess die nummer, und es war nicht die stimme des sängers, es war nicht der betont verspielte klang des synthesizers. - es waren die kratzspuren, hinter denen der song in einem schallmeer aus verdichteter zeit versank. ich genoss das knistern. es ging durch und durch, trug mich weiter, woanders hin - nach hause. es knisterte. mitten im lärm der welt knisterte es. ich konnte nicht genug bekommen davon. das knistern schwoll an. mit jedem abspielen wurde es mehr. es geriet zum rauschen. und im hintergrund: die melodie. talking loud and clear, saying just what we feel... da war es! - das flirren einer neuen klangwelt. kein menschenleben sei denkbar ohne einen grossen elementewechsel vom feuchten ans trockene, ohne einen übergang vom inneren meer ans festland, schreibt peter sloterdijk. das menschliche gehör sei a priori darauf eingerichtet, für die geräuschwelt der eigengruppe offenzustehen. jedes wesen empfange dort ein spezifisches tuning, eine relativ scharfe und selektive einstimmung auf die sonosphäre seiner gruppe. über die akustische nabelschnur erreichen uns atmosphärische botschaften des abwesenden; sie erzählen vom entfernten. die weltpopulärmusik etabliere in potentiell allen lautsprechern des planeten dieselben musikalischen diktate, schreibt sloterdijk, dieselben tonisierenden effekte, dieselbe einstimmungen in dieselben phrasen und dieselben tonalen formeln. er würde wohl soundscapes, wie die von christian fennesz lieben - sofern er dies nicht ohnehin tut -, stellen sie doch radikal poetische gegenentwürfe zur vermeidung des drohenden elektroakustischen desasters dar, momente des aufbegehrens gegen die globalisierte gleichschaltung des akusmatischen feldes. wir wachsen in eine klangwelt hinein, und denken, es wäre die welt.
"ich werde ja auch nicht schlafen, sondern nur träumen. wie gestern z.b , wo ich im traum zwei telefonhörmuscheln ergriff und an die ohren hielt, aber aus dem telefon nichts und nichts zu hören bekam, als einen traurigen, mächtigen, wortlosen gesang und das rauschen des meeres..." schreibt franz kafka in einem seiner briefe an felice bauer. vielleicht ist ja, und nicht nur bei kafka, die sehnsucht nach dem rauschen
im grunde grösser als jene nach dem geliebten menschen. freischwebend
und aufmerksam, unterwegs durch das akustische wellenbad. und hätten
der liebe nicht; egal. das lied führe uns in die heimat, die wir nie betreten haben, schreibt
george steiner. in eine heimat, die wir vielleicht für immer verloren
haben. und so bleibt das knistern ein schwacher trost. home is, where
my hard disc is. das urrauschen bewirkt eine loslösung von altbewährtem,
es ermöglicht ein zugehen auf bisher unbekanntes. musik, wie die von christian fennesz, verhandelt ein unterwegssein im
stillstand. transitorisch ist jede einzelne dieser fragilen soundflächen. alles vergeht, nichts bleibt für immer. was zurückbleiben wird, sind traumräume musikalischer polyphonien, aus akustischen datenmengen geschält. es knistert, es rauscht, es zirpt./ es brummt und summt, es knackst und dröhnt./ es frickelt, es hallt, es koppelt rück, und tönt./ happy audio. quasi-organisches rauschen hüllt uns ein, ein stück weg umspült
der klang der gitarre und das mehr. frequenzen wechseln die tonart, flüstertöne
halten die spannung. das rhythmische stottern schafft poesie; echte gefühle
für eine restlos verkabelte welt! die dionysischen digitalen klangbäder zwischen relation und emotion, die musik konkret werden liessen, verebben wieder. eine bewegung ins offene hallt nach. das schweben hat ein ende. das gesamte klangspektrum eines endlosen sommers liegt hinter uns. unvermittelt werden wir in die brutalität und in die schönheit der welt gestossen,- kannst du fühlen, was ich fühle?
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