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die medien sind auf der suche nach dem besonderen. aus verständlichem grund. es geht um aufmerksamkeit. es geht um auflage. - und was dann kommt sind doch nur re-aktualisierungen von stereotypen aus dem tiefenspeicher des medialen gedächtnisses, altbekannte topoi im endlos-loop. da bewegen sich, ganz in romantischer tradition, autoren als eremiten
durch die landschaft, da werden künstlerinnen vor, in und um ihren
installationen portraitiert und die verkantete handkamera vermittelt ein
weiteres mal "innovation". die sprache der beiträge und texte in der kulturberichterstattung scheint zunehmend einem phrasenkatalog entsprungen. sogenannte stars werden gemacht. und manche von ihnen begleiten uns ein leben lang. selbst in der vorstellung neuer junger positionen,die rede ist dann von shooting stars, findet ausnahmslos die lineare erzählung hin zum erfolg statt. schlagkräftige stories, in der wiederholung; und das dauergrinsen
der sieger. die pragmatik des medialen tagesgeschäfts erlaubt keine zeitlöcher. vorgeformtes und altbekanntes; der logik der ideologie folgen die narrationen - und vor allem die erscheinungsformen. die images bestimmen das geschehen. etikettierungen und schubladen, und was da nicht hineinpasst, das wird zum beispiel zum multi-medialen hybriden erklärt. - womit eine neue schublade geöffnet wäre... und überhaupt. schnittstellen, synergien. veränderte ästhetik. - überall schlagworte, die auf der stelle das posthumane suggerieren sollen, und für eine fortschrittsgläubige bewegung durch das globale dorf stehen. - nun, ja ein bequemes instrumentarium zur evozierung von altbewährtem in neuem outfit, allemal. was crossings genannt wird, und mit interdisziplinarität zu tun hat, folgt in seiner anlage wie auch in seiner rezeption nicht selten alten gesetzen und bleibt gefangen in vertrauten denkmustern. - warum eigentlich handelt es sich bei kulturellen teilsystemen um normative einschliessungsmilieus, und nicht vielmehr um offene, non-restriktive und tatsächlich vernetzte wabenverbunde? was feststeht ist, dass über allem der schatten der gegenwart liegt:
die künstlerInnen als prototypen eines neoliberalen (lebens)models. willkommen im verbund der sogenannten kreativen industrien! neueste studien unterstreichen das potential, das diese bergen, während vor unseren augen, eine weitere biografie zerfällt. - das fragmentierte der eigenen arbeit. das fragmentierte des eigenen lebens. was da, auch bei genauerem hinsehen, oftmals nicht zu finden ist, ist
eine "stringente narration". - denken ist ja ohnehin immer ein
arbeiten im bodenlosen. und das kann, wie wir alle wissen, mitunter äusserst
unangenehm werden. das vage, das offene kann aber ebenso ungeahnte freiräume erschliessen, und unorthodoxe wahrnehmungsvarianten und handlungsweisen in verschiedenen systemen und teilsystemen ermöglichen. wir sind alle gäste des lebens, sagt der eine. wir sind alle pensionisten
des weltalls, der andere. und ein dritter fügt an: "wir werden
in eine unfertige kultur hineingeboren. und sterben immer, ehe es uns
gelingt, das wesen und die resultate der eigenen tätigkeit zu reflektieren." biografien können mehr, oder weniger kontinuierlich verlaufen. und auch im nachhinein lässt sich so manches nicht sagen. solange es um eine bewertung des übergreifenden glücks, wie martin seel es genannt hat, eines lebens geht, und nicht um die lebensleistung, bleibt alle bewertung abhängig von der perspektive der dereinst toten. soweit, so gut. noch aber leben wir. - und haben die kraft uns in die arbeit zu stürzen. diese wird bisweilen zum einzigen lebensinhalt. serielles und paralleles tun; und über allem schwebt das horrorszenario ruhephase. arbeitslosigkeit als los ohne arbeit keinen wert mehr zu besitzen. und dabei wurde über die mögliche sinnlosigkeit kulturellen schaffens noch gar kein wort verloren. er hätte seine kräfte verzettelt und dadurch vergeudet, schreibt
george steiner. das ist das stichwort! das ist der grund, und möglicherweise die
basis allen tuns. sich einen namen zu machen, gilt als eine der obersten maxime im leistungsorientierten drohsystem. der erfolg unter eigener flagge wird verkauft als die möglichkeit zur subjekt-werdung, um das nichts mit dem etwas platz tauschen zu lassen. - endlich ein da-sein! - cogitOR ergo sum. - an mich wird gedacht, also bin ich. (diese passive denkfigur greift peter sloterdijk von franz von baader auf.) ist es nicht auffällig, dass jene, die von der gesellschaft als stars tituliert werden, im fortschreitenden stadium ihrer sogenannten karrieren entweder hinter ihrem image zurückbleiben, karitativ tätig werden, oder - und das bringt die überlegung auf den punkt - den, oftmals selbstgewählten, (künstler)namen hinter sich lassen. ihn ablegen, und gegen einen anderen, oder ein symbol eintauschen. "das ist die flucht vor dem namen", wie es ilya kabakow ausdrückt,
"die beständige weigerung, der zu sein, den sie beim namen nennen
oder sogar der, den du dich selbst nennst." -prince hiess einmal
t.a.f.c.a.p. - madonna heisst jetzt esther. "im spätkapitalismus brüllt das geld. es verpackt zeit
und raum." sagt george steiner. wird ein kunstwerk nicht distribuiert, kommt es nicht in umlauf. - es existiert für die (kunst)welt nicht. so einfach ist das. - und was sich anhäuft ist unveröffentlichtes, was entsteht sind mehr oder weniger individuelle archive der produktivität; materialkonzentrationen, die darauf hoffen, entdeckt zu werden. währenddessen verschwimmen die grenzen, und selbst erklärte
profis wissen oft nicht mehr, woran sie im umfeld des sogenannten kunstkontextes
eigentlich sind. heute ist es, insbesondere im multimedialen bereich, leichter geworden, unkompliziert und unabhängig zu produzieren. ein wenig schwerer ist es da schon, zu veröffentlichen. - ein weiter schritt ist es allerdings dahin, auch tatsächlich wahrgenommen zu werden; an/gehört und an/gesehen zu werden. aber auch status gibt keine sicherheit, schützt vor enttäuschungen
nicht. erklärung und notstand. und wie das selbstbild oftmals, reflektiert über die augen anderer, zu wackeln beginnt. immer und immer wieder lässt sich nicht einfach sagen: ich bin autorIn. oder: ich bin regisseurIn. oder: ich bin bildende künstlerIn. oder: ich bin musikerIn. oder vielleicht sogar: ich bin wissenschafterIn. ich bin dieses und jenes; und alles in einem. ich bin als reproduktionstechniker partizipativ unterwegs durch gesellschaftliche themenfelder. ich bin dieses und jenes; und alles in einem. und wir sind viele. mein
laptop und ich. meine videokamera und ich. mein fotoapparat und ich. meine
leinwand und ich. wer sich dem noch anschliesst, das sind die kooperationspartnerInnen und wegbegleiterInnen. gemeinsam arbeiten wir uns am imaginären ab, reiben uns am symbolischen. wir arbeiten in der finsternis. wir tun, was wir können. - und unsere arbeit lässt sich am besten als soziokulturelle praxis lesen. die frage, die sich dann freilich stellt lautet: in welchem sinn aber kann diese arbeit gelingende soziokulturelle praxis sein? je abstrakter modelle des kunstsystems angedacht werden, je theoretischer der apparat wird, der erklärung versprechen soll, desto unklarer werden oftmals die anworten auf die frage. - soweit meine erfahrung. in welchem sinn kann denn aber nun künstlerische arbeit gelingende soziokulturelle praxis sein? wieder einmal liegt richard shusterman ´s "kunst leben. die ästhetik des pragmatismus", auf englisch erschienen 1992, gut in der hand. "wenn wir die kunst als erfahrung statt als äusseres herstellen neu denken, werden wir daran erinnert, dass das künstlerische schaffen selbst eine mächtige erfahrung ist, die den künstler/die künstlerin und das werk ihrerseits formt.", schreibt shusterman. unterschwellig oder traumatisch; jede erfahrung modifiziert das bewusstsein. und je weniger das system als solches gedacht wird, und je mehr die konkrete einzelne erfahrung in all ihrer komplexität im vordergrund steht. - desto mehr vertrauen schöpfe ich. vergessen wir das ideal der beherrschten produktion, wie martin seel es genannt hat. es spiegelt das bild von künstlerInnen als machern wider, die genau wissen, was sie hervorbringen möchten, und die den herstellungsprozess vollkommen unter kontrolle haben. vergessen wir, was manche uns weissmachen möchten. wir eignen uns die welt im arbeitenden umgang an. womöglich aber auch nur in der hoffnung auf eine solche. das dunkel, das jeden einzelnen von uns umgibt ist tief. - einen versuch wert aber ist es allemal, das sehen darin erlernen zu wollen.
literatur:
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